Zwei Jahre hat das Publikum auf einen vergnüglichen Kabarett-Abend mit Gerd Dudenhöffer alias Heinz Becker im Eichsfelder Kulturhaus warten müssen. Vor wenigen Tagen feierte Dudenhöffer seinen 75. Geburtstag und er freute sich auch jetzt noch über Glückwünsche und einen Blumenstrauß. In der Garderobe standen symbolisch zwei Paar Schuhe in Größe 42,5 nebeneinander: eines von Heinz, eines von Hilde – ganz im Sinne von „Mo so Mo so“.
„Mit 75 bin ich gelassener und nicht mehr so fokussiert auf volle Säle, aber Lampenfieber bleibt,“ verrät er. Doch ab und an fragt er sich, wie lange er noch weitermachen wird. Zum Glück hat er keine Probleme mit dem Älterwerden, und seine Texte lernt er nach wie vor mit Leichtigkeit auswendig.
Gerd Dudenhöffer beobachtet, dass sich das Publikum verändert hat: „Die Leute sind kritischer und sensibler geworden. Früher hat man sich mehr amüsiert, heute soll alles erklärt werden und einen Sinn haben. Diskussionen sind schwieriger: Da heißt es oft nur – ja, aber.“ Dennoch bleibt er seinem Stil treu: „Ich sage, was man nicht sagen soll. Das ist Satire, da braucht man nicht nach rechts oder links zu gucken, ob man lachen darf.“
In seinem aktuellen Programm „Mo so Mo so“ wagt Gerd Dudenhöffer etwas Einzigartiges: Er schlüpft nicht nur in die Rolle des Kultcharakters Heinz Becker, sondern verkörpert auch dessen Ehefrau Hilde. Für das Publikum entsteht so ein einmaliges Schauspiel, das sowohl die urkomischen Eigenarten von Heinz als auch die scharfsinnigen Kontraste von Hilde in den Mittelpunkt rückt. Zwei Welten, zwei Perspektiven – und das alles in einer einzigen Person! Es ist ein Abend, der doppelte Unterhaltung und doppelte Pointen bietet – meisterhaft gespielt und mit tiefem Einblick in die kleinen, aber so menschlichen Eigenheiten des Alltags.
„Der Auftritt von Hilde ist wie eine kleine Show für sich und der Aufwand wie bei einem Theaterstück“ erzählt er. „Wir sind mit einem 40-Tonner mit eigener Bühne angereist. Bis zum Frontvorhang ist heute Abend alles von uns. Ich hatte riesigen Spaß bei den Vorbereitungen, von der Anprobe bis zum Schminken. Als ich das erste Foto von mir als Hilde sah, habe ich mich fast nicht erkannt.“ Auf die Frage, wann er sich Heinz besonders nah fühlt, antwortet er: „Wenn er über das Leben redet, hat er manchmal recht. Aber als Autor mische ich es scharf und distanziere mich persönlich.“
Die Gäste im ausverkauften Saal waren nicht nur euphorisch vor Begeisterung, sondern konnten sich mit Heinz Becker gut identifizieren: Seine altklugen Sprüche, die oft unbeholfenen, aber ehrlichen Versuche, sich in der modernen Welt zurechtzufinden, und seine lakonische Art, mit der er scheinbar simple Wahrheiten verkündet, sind unvergleichlich. Oft beendet er seinen Satz nur mit typischen Gesten und überlässt das Satzende dem Publikum.
Alle Themen, die man sich oft nicht mal traut, am Stammtisch zu diskutieren, schwätzt er in seinem saarpfälzischen Dialekt unbedarft heraus. Damit trifft Heinz direkt ins Herz seines Publikums. Seine Beliebtheit beruht auf seiner Fähigkeit, das Alltägliche und Banale mit messerscharfer Beobachtung in Szene zu setzen. Er ist der Prototyp des kleinen Mannes, der mit einer Mischung aus Sturheit, Naivität und ungewolltem Humor die großen und kleinen Themen des Lebens kommentiert. Gerd Dudenhöffer versteht es, diese Figur so authentisch und nahbar zu spielen, dass Heinz Becker mehr ist als nur eine Bühnenfigur: Er wird zu einem alten Bekannten, mit dem man gerne Zeit verbringt – voller Lachen, Staunen und einem Augenzwinkern. Das Eichsfelder Publikum dankte es ihm mit nicht enden wollendem Applaus. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Satire zeitlos bleibt – wenn sie so klug und präzise präsentiert wird wie von Gerd Dudenhöffer. Ein Abend voller Humor, der noch lange nachhallt und einmal mehr beweist: Heinz Becker ist nicht nur Kult, sondern auch ein Spiegel unserer Zeit.
Einen ersten Ausblick auf sein kommendes Programm „DOD – Das Leben ist das Ende“ gibt er auch: Heinz Becker kommt von einer Beerdigung nach Hause, mit 5 Callas in der Hand: „Die hann ich vergesst, ins Grab zu schmeißen.“ Ein Thema, das zwischen Tragik und Komik balanciert – das Publikum darf gespannt sein.


